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Warum die Krone dem Mitarbeiter besser steht

Während Kunden von Unternehmen schon lange wie Könige behandelt werden, steht es auch um die Bewerber immer besser: bunt aufgemachte Karriereseiten, Whatsapp-Fragestunde für Karriereinteressierte, 24/7-Chatmöglichkeiten und einfache, unkomplizierte Bewerbungsprozesse. Auch die Unternehmen selbst geben sich immer mehr Mühe, ihre Arbeitgebermarke, ihr Image, aufzubauen, um gegen Innen und Aussen attraktiv zu wirken. Hochglanzmagazin-Charakter pur. Alles schön und gut, doch reicht das auch aus um Mitarbeiter langfristig zu binden? Und wie steht es um den Alltag?

Der erste Eindruck zählt…

Dass der erste Eindruck zählt, ist weder neu noch eine (mittlerweile) bahnbrechende Erkenntnis. Dies gilt sowohl für die Bewerber selbst als auch für die Unternehmen. Beide Seiten geben sich demnach ausgesprochen grosse Mühe, wenn es um das gegenseitige Beschnuppern und Kennenlernen geht: Man zeigt sich schon im Vorfeld von seiner besten Seite, gibt praktisch nur seine Vorzüge preis und wird selbst beim Sich-Besser-Schwindeln nicht mehr rot. Alles ganz normal.

Auch dass die Unternehmen sich immer grössere Mühe geben, die Bewerbungsprozesse für die Kandidaten so angenehm wie möglich zu gestalten, gehört immer mehr zur Normalität, denn der gute Umgang mit dem Bewerber wird gerade in Zeiten von Fachkräftemangel und Kampf um die Besten immer wichtiger. Mittlerweile ist er sogar so wichtig, dass er sich ein eigenes Buzzword verdient hat: die Candidate Experience. Diese hat zum Ziel, jede Begegnung eines Bewerbers mit dem potenziellen Arbeitgeber in ein positives, motivierendes Erlebnis zu wandeln. So wird der Erlebenszyklus bewusst gestaltet und der Kandidat fühlt sich wie ein König. Und wer zufrieden ist, wird das auch im Bekanntenkreis kundtun – und so ist die Candidate Experience auch ein wichtiger Aspekt im Employer Branding. Doch dazu ein anderes Mal mehr.

…doch was danach folgt, ist eigentlich noch viel wichtiger.

Nun haben wir also dank der positiven Candidate Experience einen äusserst zufriedenen Bewerber, der mit grossen Erwartungen den Arbeitsvertrag unterschrieben hat. Und nun? Nun kommt das, was zählt: der Alltag. Der Alltag im Unternehmen, oder die unzähligen kleinen und grossen Interaktionen mit und Wahrnehmungen von demjenigen, ist schlussendlich das, was darüber entscheidet, wie lange sich ein Mitarbeiter bindet, wie er sich gibt und ob er dem Unternehmen einen Mehrwert bringt. Und hier sprechen wir nicht nur von Talenten, sondern von jedem einzelnen Mitarbeiter. Denn ein jeder trägt seinen Teil zum Erfolg bei und ist deshalb wichtig. Und so entsteht ein neueres Konstrukt, das all dem Rechnung trägt: die Employee Experience.

Definition „Employee Experience“ – ein Versuch

Employee Experience zu definieren, ist in etwa ähnlich schwierig, wie zu beschreiben, wie eine Tomate schmeckt – denn das Konstrukt ist unglaublich vielschichtig und wer gedacht hätte, dass es einfach das Gleiche wie der Employee Life Cycle ist, der liegt falsch. Mächtig falsch. Denn es ist viel mehr. Es ist auch mehr als Fussballtische im Pausenraum, kostenlose Soft Getränke, Casual Fridays, Home Office oder regelmässige Mitarbeiterevents. Und trotzdem sind sie alle zentrale Aspekte davon. Ja was ist es denn nun? Die Employee Experience ist die „Summe aller Wahrnehmungen, die ein Mitarbeiter durch die Interaktion mit seinem Arbeitgeber macht“. Und dabei geht es nicht nur um Wahrnehmungen in bestimmten, vordefinierten Situationen wie einem Mitarbeitergespräch oder Training, sondern eigentlich um jeden einzelnen Augenblick. Beispielsweise also auch um die Art und Weise, wie ein Vorgesetzter auf einen privaten Schicksalsschlag eines Mitarbeiters reagiert, ob Feedback auch von Vorgesetzten ernst genommen wird oder inwiefern der einzelne Mitarbeiter eine Stimme erhält.

Es geht also nicht darum, ob etwas geschieht, sondern wie das Geschehene von den Mitarbeitern wahrgenommen und interpretiert wird. Im Zentrum steht die Wahrnehmung. Ganz schön komplex. Doch wozu das Ganze?

Warum es sich lohnt, eine positive Employee Experience zu fördern

Eigentlich kennen Sie die Antwort schon: um aus Ihren Mitarbeitern treue, top-motivierte, produktive, innovative und zufriedene Mitarbeiter zu machen, die Ihr Unternehmen gegen aussen als gute Botschafter vertreten und stolz darauf sind, bei Ihnen zu arbeiten. Und dies wirkt sich dann im Endeffekt auch positiv auf Ihre Unternehmensperformance und Ihr Image aus. Das Employer Branding erübrigt sich dann quasi schon fast (!) von alleine. Sir Richard Branson, Virgin-Gründer, hat das Thema folgendermassen zusammengefasst und sehr gut auf den Punkt gebracht:

„So, my philosophy has always been, if you can put your staff first, your customers second, and shareholders third, effectively, in the end, the shareholders do well, the customers do better, and [your staff remains] happy.“ Richard Branson.

Die Zauberformel einer guten Employee Experience

Obwohl das Konstrukt komplex ist, gibt es – zumindest in der Theorie – drei wesentliche Erfolgsfaktoren, die die Employee Experience direkt beeinflussen. Laut Jacob Morgan, Futurist und Berater in Sachen Employee Experience und Future of Work, lautet die Zauberformel:

Kultur + Technologie + Arbeitsplatz = Employee Experience

Die Kultur ist dabei das unfassbare Gut, das sich direkt auf den Wohlfühlfaktor innerhalb des Unternehmens und des Teams auswirkt. Sie ist der Puls eines Unternehmens und entsteht aus Werten, Verhalten, Umgang und Unternehmenszweck und steht und fällt mit den Mitarbeitern sowie ihren Vorgesetzten. Die Kultur eines Unternehmens darf auf keinen Fall sich selbst überlassen werden, sondern muss aktiv bearbeitet und gefördert werden. Eine gute Kultur sollte seine Mitarbeiter empowern, wertschätzen und sie dazu animieren, nicht nur für sich selbst, sondern ganz im Sinne des Unternehmens zu arbeiten.

Die Technologie ist deutlich fass- und formbarer als die Kultur und die eigentliche Grundvoraussetzung für effizientes und angenehmes Arbeiten. Sie sollte die Mitarbeiter darin unterstützen, dass sie sich auf den Kern ihrer Aufgaben konzentrieren können und nicht an administrativen Aufgaben verzweifeln oder an kaputten PCs scheitern. Im Zuge der Digitalisierung wird das Thema Technologie immer wichtiger – denn sie kann durch die unterschiedlichsten Tools und Möglichkeiten die Employee Experience einfach und deutlich positiv beeinflussen.

Neben Kultur und Technologie spielt aber auch der Arbeitsplatz eine wesentliche Rolle, denn Wohlbefinden hängt auch von der physischen Umgebung ab. Dabei geht es nicht darum, dass Unternehmen Erlebniswelten à la Google oder Facebook geschaffen werden sollen (das wäre ein finanzieller Irrsinn), sondern darum, dass sich die Mitarbeiter wohlfühlen und eine Interaktion mit anderen ermöglicht und unterstützt wird.

Theorie vs. Praxis – Wie wird Employee Experience gelebt?

Welche Faktoren in der Theorie zu einer positiven Employee Experience beitragen, wissen wir nun. In der Theorie sieht ja auch immer alles so einfach und logisch aus. Doch nun interessiert es eigentlich, wie das Thema in den Unternehmen gelebt und gefördert wird. Und zwar nicht nur in grossen, sondern auch in mittelständischen, die deutlich weniger finanzielle Mittel und Möglichkeiten zur Verfügung haben. Und dies nicht nur innerhalb der Schweiz, sondern auch über die Grenzen hinaus.

Antworten darauf sollen nun in Form der Studie „Employee Experience: Eingestellt und vergessen?“ gefunden werden. Und dafür benötigen wir Ihre Mithilfe. Die Umfrage zur Studie richtet sich an Sie als Mitarbeiter, dauert ca. 5-10 Minuten und kann auf Wunsch anonym ausgefüllt werden. Wer ganz am Schluss Angaben zu seiner Person macht, hat ausserdem die Möglichkeit einen attraktiven Preis zu gewinnen. Die Studie erscheint Ende Juni und steht kostenlos auf jacando.com/publications zum Download bereit. Über die Gewinner wird keine Korrespondenz geführt. Herzlichen Dank für Ihre Teilnahme!

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