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Talent Acquisition: DAS must-have des HRs

Talent Acquisition tönt gut! Es hat was mit Talenten zu tun, hört sich mitten im „war for talents“ irgendwie richtig an und ist aktuell so hip, dass man das einfach haben muss. Als „must-have“ der HR-Szene wird so mancher Recruiter von heute auf morgen in Talent Acquisition Manager umbenannt. Wenn man an seinem Aufgabenbereich aber nicht grundlegend etwas ändert, dann ist das bloss ein netter Versuch mitzuhalten – mehr nicht. Denn Talent Acquisition ist viel mehr als „blosses“ Recruiting.

Businessman Spotlight Human Resource Recruitment Candidate, Business People Hire Concept Flat Vector Illustration

Wortklauberei? Talent Acquisition ist nicht gleich Recruiting.

Doch nochmals von vorne. Selbstverständlich hat Talent Acquisition viel mit Recruiting zu tun. Aber eben nicht nur. Wenn Recruiting die Hauptspeise ist, dann ist Talent Acquisition das ganze Dinner – Einkaufen, „Absackerli“ und der Abwasch inklusive. Denn Talent Acquisition gehört neben Talent Development (Entwicklung) und Talent Retention (Erhaltung) zum Gesamtgebilde Talentmanagement. Es ist ein strategischer Ansatz, mit dem die richtigen Talente, für die richtige Position, zum richtigen Zeitpunkt identifiziert und an Board geholt werden. Das Wesentliche an Talent Acquisition sind die strategischen Überlegungen, die das Vorgehen und das proaktive Handeln beeinflussen. Sprich, über die Besetzung einer Position wird nicht erst dann nachgedacht, wenn sie frei wird, sondern schon viel früher – und immer mit Blick auf die Erreichung der Geschäftsziele.

Das Zünglein an der Waage

Wenn Talent Acquisition also proaktiv und vorausschauend ist, was ist dann Recruiting? Reaktiv? Tendenziell ja. Klar gibt es auch hier unterschiedliche Recruiting-Herangehensweisen. Aber so wie es heutzutage zumeist noch gehandhabt wird, ist Recruiting eher noch von der reaktiveren Sorte. Dies ist aber nicht schlimm (schlimm ist nur, wenn die Berufstitel einfach ausgetauscht werden!), denn es kommt selbstverständlich auch auf die zu besetzende Position, ihre Aufgaben und die durch die Besetzung zu erreichenden Ziele an. Spätestens wenn es aber um speziell ausgebildete Fachkräfte, (zukünftige) Manager oder Führungskräfte geht, dann gibt es eigentlich keine Ausrede mehr für fehlende Talent Acquisition. Denn sie kann im Kampf um die Besten entscheidend sein.

Recruiting als Teilgebiet von Talent Acquisition

Ja, ich bin ein Freund von Modellen und dieses hier von Cieolotalent.com möchte ich Ihnen nicht vorenthalten. Es bringt die Vielfalt von Talent Acquisition auf den Punkt und zeigt zugleich auch, wie es im Geschäftsalltag eingebunden werden sollte – nämlich als wesentlicher Teil des Ganzen, der die Geschäftsstrategie mitträgt und die Geschäftsresultate dadurch mitbeeinflusst.

TA Modell
Quelle: cielotalent.com

Recruiting, Employer Branding, Strategie und Geschäftsziele werden im Modell nicht nur in einem Atemzug erwähnt, sondern auch Tools und Reports, neben weiteren, wird eine zentrale Rolle zuteil. Das Modell unterstreicht so die Wichtigkeit der einzelnen Komponenten, aber auch, dass sie alle zum ganzheitlichen Ansatz dazugehören.

Das Einzige, was meines Erachtens im Modell zu stark untergeht, ist die Rolle und Wichtigkeit des eigenen Netzwerks und entsprechenden Empfehlungen (employee referral marketing). Denn auch dieses darf im Rahmen von Talent Acquisition nicht fehlen.

Talent Acquisition light

Dass Talent Acquisition trotz seiner wachsenden Bedeutung verhältnismässig noch wenig eingesetzt wird, hat mehrere Gründe: Es mangelt an Wissen über die korrekte Umsetzung, Talent Acquisition wird mit Recruiting gleichgestellt, intern fehlen die Ressourcen (monetäre oder personelle) oder es herrscht eine allgemeine Ablehnung gegenüber Veränderungen.

Wer aber auch in Zukunft Talente anstellen und so wettbewerbsfähig bleiben möchte, der muss sich mit dem Thema auseinandersetzen. Es ist auch nicht die Meinung, dass das Modell von Anfang an 1:1 umgesetzt wird (Hand aufs Herz, das könnten die wenigsten). Aber einzig schon das Bewusstsein für korrekte Talent Acquisition, und der Einbezug von Personalthemen in geschäftsstrategische Überlegungen (=wo wollen wir hin und wen brauchen wir dazu) sind ein guter Anfang. Begleitende Themen wie die Definition der Zielgruppe (= Marketing-orientiertes Denken), der Aufbau einer zielgerichteten Recruitingstrategie (Reports sind dabei sehr behilflich) und die Stärkung der Arbeitgebermarke, bilden zudem eine einfache, ideale Ergänzung der ersten Schritte. Und dafür braucht es weder viel Wissen, noch ein grosses Budget – Talent Acquisition light kann praktisch jeder.

Warum Talent Acquisition das HR stärkt

Und was ist nun, nebst spannenden Themen und zugegebenermassen etwas Mehrarbeit, für das HR drin? Sehr viel sogar; gerade auch in Unternehmen, wo das HR bis anhin keine eigenständige Abteilung war und kaum Entscheidungskompetenzen oder gar eigenes Budget hatte. Denn durch die Integration von Personalbeschaffungsthemen in geschäftsstrategische Überlegungen, wird der Weg Richtung Geschäftsleitung geebnet und die Rolle des HR automatisch gestärkt. So können künftig auch für das HR konkrete Ziele und KPIs vereinbart werden und die Abteilung kann so aktiv und vor allem messbar zum Unternehmenserfolg beitragen.

Zugegeben, Talent Acquisition ist nichts, das mittels Schnellbleiche eingeführt werden kann und soll. Es erfordert ein gewisses Wissen, Ressourcen und vor allem den Willen zur Veränderung. Wer dies aber in Kauf nimmt und bereit dazu ist (und das sollten Sie!), der wird auch in Zukunft mit Talenten belohnt werden. Denn in einer Welt, die sich gefühlt tagtäglich neu erfindet, ist eines gewiss: es braucht den Willen neue Wege zu gehen.

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