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RoBOTer als Recruiter?

Die Angst, dass Roboter am Arbeitsplatz irgendwann die Arbeit von Menschen ersetzen können, beschäftigt die Menschheit seit Jahrzehnten und ist – wenn man beispielsweise die Industrie betrachtet – schon seit Langem Realität. Der Vorteil eines Roboters ist klar: er erledigt die stupidesten Arbeiten ohne zu murren und ist auch noch unschlagbar günstig.

Die Digitalisierung und Automatisierung von Prozessen macht jedoch nicht bei der Produktion Halt, sondern hält auch in andere Unternehmensbereiche Einzug. Warum also nicht auch ins HR und wie könnte das aussehen?

Von ChatBots und JobBots

Die Antwort darauf sind sogenannte Chatbots. Diese gibt es zwar schon seit Jahren, doch mit dem neuesten Clou von Facebook, sind sie nun stärker in den Fokus geraten. Und zwar ermöglicht Facebook seit Mitte April Chatbots in seinem Messenger einfach zu installieren. Bedeutet: Unternehmen können im Chatfenster direkt mit ihren Kunden kommunizieren. Doch nochmals von vorn: Was sind Chatbots genau?

Quelle: Wollmilchsau.de
Quelle: Wollmilchsau.de

Die einfachste Form von Chatbots kennen wir alle durch Anrufe bei Service-Hotlines. Der Aufforderung „Für Deutsch drücken Sie die 1“ oder „Wenn Sie mit einem Service-Mitarbeiter verbunden werden möchten, sagen Sie Mitarbeiter“ haben wir schon mehrmals Folge geleistet. Je nach Reife des Chatbots kann die Dialogqualität jedoch viel weitergehen und findet nun mit „JOBmehappy“ auch allmählich Einzug in den HR-Bereich.

Das deutsche Startup „JOBmehappy“ ist der weltweit erste Anbieter eines Bots für die Jobsuche auf Facebook. Funktionieren tut das Ganze indem man im Bot einfach beschreibt, was für eine Stelle man sucht und wo sie sein soll. Es werden sowohl ausformulierte Fragen als auch einfache Phrasen erkannt und beantwortet – und dies innerhalb von Sekunden. Wird kein passender Job gefunden, besteht die Möglichkeit, zu einem späteren Zeitpunkt informiert zu werden. JOBmehappy ist zum jetzigen Zeitpunkt erst für Stellen in Deutschland anwendbar und die Ausführung des Bots ist zugegebenermassen noch überschaubar. Laut Entwickler tüfteln sie jedoch bereits an weiteren Lösungen und weitere Anbieter werden wohl auch nicht weit sein.

Quelle: Facebook JOBmehappy
Quelle: Facebook JOBmehappy

Obwohl „JOBmehappy“ mit seinem Facebook JobBot erst in den Kinderschuhen steckt, hat das Startup bewiesen, dass die Art und Weise, wie wir Jobs suchen, revolutioniert werden kann und wird. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis weitere Anbieter von Jobsuchmaschinen auf den Zug aufspringen. Unternehmen müssen sich diesbezüglich wappnen. Uns interessiert nun aber auch, wie es auf der anderen, also auf Recruiter-Seite aussieht? Könnten hier Bots Einzug in den Arbeitsalltag finden und den Recruiter-Job im herkömmlichen Sinn auf den Kopf stellen?

Der ROBcruiter

Die schlechte Nachricht zuerst: eine ausgeklügelte Bot-Lösung gibt es (noch) nicht. Ideen dazu jedoch schon. So entstand neulich während einem HR Software Entwicklungs-Event („HR Hackathon„) die Vision und der erste Prototyp von einem Bot, der das Active Sourcing sowie die direkte Kandidatenansprache übernimmt und schliesslich Interessierten einen Kontakt zum Recruiter ermöglicht. Konkret sollte das so funktionieren: Der Recruiter teilt dem Bot mit, welche Stelle er zu besetzen hat (beispielsweise „Ich suche einen Softwareentwickler mit Frontend-Erfahrung“). Nach einigen Verständnisfragen, die die Suche einschränken sollen, sucht der Bot innert Sekunden passende Profile. Gleichzeitig fängt er im gleichen Eiltempo an, passende Kandidaten über verschiedene Kanäle zu kontaktieren und ihr Interesse abzuhören, beantwortet erste Fragen zum Job, macht ein Kurzinterview und lädt spannende Kandidaten in einen privaten Chat mit dem Recruiter ein. Und ab da sollte dann der Recruiter übernehmen. Mehr dazu hier.

Obwohl der Prototyp zur Idee nur einige erste Funktionen ausführen konnte, ist die Idee zum ROBcruiter geboren. Wir dürfen gespannt sein, was sich diesbezüglich tun wird. Ob Karriereinteressierte es aber mögen, wenn sie von einem Bot statt einem Menschen angesprochen werden, sei dahingestellt. Sicher würde ein solcher Bot auch Vorteile, wie dass er keine Vorurteile kennt, ein Nein akzeptiert oder total verschwiegen ist, mit sich bringen. Doch Angst haben, dass durch solche Bots die Rekrutierungsaufgaben der HR-Abteilung fällig werden, muss man nicht. Denn es ist ja gerade das H in HR, das den Job zu dem macht, was er ist und auch der ausgeklügeltste Bot wird wohl nie an das Einfühlungsvermögen und Spitzengefühl eines Menschen herankommen.

Wir werden das Thema Bots mit offenen Augen verfolgen und Sie über weitere Innovationen auf dem Laufenden halten.

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