Zum Inhalt springen

Jobsharing – wenn trotz Flexibilität die Karriere nicht zu kurz kommt

Business Meeting Top View Design Concept

Arbeitsmodelle der Zukunft und New Work sind die neuen Buzzwords schlechthin und dürfen in den HR Medien nicht mehr fehlen. Und spätestens seitdem bekannt ist, dass die jüngeren Generationen veränderte Ansichten zur Work-Life-Balance haben, sind flexible Arbeitszeitmodelle in aller Munde und quasi nicht mehr wegzudenken. Aber es geht nicht nur um die Jungen – auch Arbeitnehmer höheren Alters haben heutzutage verschobene Prioritäten und wünschen sich beispielsweise eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Karriere. Während Home Office-Möglichkeiten und Sabbaticals bei vielen Unternehmen schon üblich sind, gibt es allerdings ein Modell worüber nicht so oft gesprochen wird – obwohl es eigentlich auf der Hand liegt: Jobsharing.

Jobsharing – die Definition.

Unter Jobsharing wird die Aufteilung von (mindestens) einer Vollzeitstelle unter zwei oder mehreren Arbeitnehmern verstanden. Dabei ganz wichtig: Jobsharing darf nicht mit einer regulären Teilzeitstelle verwechselt werden. Beim Jobsharing wird die Stelle nämlich nicht einfach nur unabhängig aufgeteilt. Das Team trägt die Verantwortung gemeinsam und die Aufgaben werden untereinander aufgeteilt. Ausserdem handelt es sich bei solchen Modellen nicht selten um Führungspositionen, denn für viele hochwertige Stellen reichen Teilzeitangestellte nicht aus. Das heisst, durch Jobsharing kann eine bestimmte Position teilzeittauglich gemacht werden.

Generell sind innerhalb des Jobsharing-Modells die unterschiedlichsten Formen und Kombinationen, was das Pensum, die Aufgabenverteilung und den Arbeitsort angeht, möglich. Gerade dies ermöglicht es, dass Arbeitnehmer weniger Stunden leisten, eine ausgewogenere Work-Life-Balance haben und dennoch nicht auf qualitativ hochwertige Aufgaben und Führungspositionen verzichten müssen.

Nicht nur für Eltern geeignet.

Jobsharing kann für die unterschiedlichsten Zielgruppen interessant sein – es gibt quasi keine Eingrenzung und die verschiedensten Bedürfnisse können damit gedeckt werden. Am offensichtlichsten ist vermutlich die Kombination aus Familie und Karriere. Doch auch für Angestellte, welche sich beispielsweise nebenher selbständig machen möchten oder auch Arbeitnehmer im Frührentenalter, die langsam etwas zurücktreten, aber ihren Job noch nicht ganz aufgeben möchten, kann dieses Arbeitsmodell interessant sein. Es gibt also viele verschiedene Variationen und Kombinationen.

Und hierbei eben wichtig: Auch hochqualifizierte Mitarbeiter mit Führungsverantwortung sind von diesem Arbeitsmodell nicht ausgeschlossen.

Wie sieht es in der Praxis aus?

Home Office und Sabbaticals sind bei vielen Unternehmen schon Programm und nichts Exotisches. Doch die Möglichkeit eines flexiblen Jobsharings bieten nur die wenigsten Unternehmen an. Genau genommen sind es laut einer Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz von 2014 nur 27% der Schweizer Unternehmen – also nicht einmal ein Drittel. Das ist wenig, wenn man bedenkt, wie viel bereits über Jobsharing geschrieben wurde, und es daher eigentlich nichts Neues mehr sein sollte. Dazu kommt, dass Jobsharing eigentlich ein offensichtliches und auch für die Unternehmensseite sehr attraktives Modell ist, sobald sich zwei (oder mehr) Mitarbeiter gefunden haben. Mittlerweile gibt es übrigens sogar online Plattformen, auf welchen sich geeignete Jobsharing Partner finden können.

Die Vor- und Nachteile

Doch trotz online Unterstützung ist es nicht immer leicht, passende Mitarbeiter zu finden, welche als Teampartner funktionieren und zusammenarbeiten können. Das ist der Grund, weshalb die Initiative und die Idee für das Jobsharing meistens von Seiten der Arbeitnehmer ausgeht. Denn nicht nur die Chemie zwischen den Teampartnern muss stimmen – sie müssen auch kooperationsfähig sein und ein gewisses Organisationstalent besitzen. Bestenfalls ergänzen sich die beiden Mitarbeiter in ihren Stärken und Schwächen, arbeiten somit effizienter und erhöhen damit die Produktivität. Denn eine Position wird dann schliesslich auch mit doppeltem Know-how besetzt.

Und auch nicht zu vergessen: das Wissen bleibt bei Jobsharing im Unternehmen erhalten, weil diejenigen Mitarbeiter die keine Vollzeitstelle mehr tragen möchten, eine attraktive Teilzeitmöglichkeit in demselben Unternehmen bekommen können, anstatt zu kündigen.

Ausserdem werden mit dem Angebot für Jobsharing insbesondere auch Frauen unterstützt und gefördert. Diese können so in Führungspositionen tätig sein, ohne dabei auf Kinder und Zeit für die Familie verzichten zu müssen.

Und Stichwort Employer Branding: Jobsharing zu erlauben stärkt nicht zuletzt auch die Arbeitgeberpositionierung eines Unternehmens.

Published in[:de]HR Trends[:en]HR TrendsAllgemeinKnow-How