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Irgendwie. Irgendwo. Irgendwann.

Studie „Personalmanagement Trends 2016“: Social Media im HR

Kaum ein anderer Begriff hat Internet und Nutzerverhalten so stark geprägt wie Social Media. Es spielt nicht nur im privaten Umfeld eine wichtige Rolle, sondern auch im beruflichen – und zwar überall da, wo es um die Interaktion mit Menschen geht. Also eigentlich wie geschaffen fürs HR! Das sehen auch viele Unternehmen so und setzen auf Social Media. Sie alle sind irgendwo dabei und alle kennen sich irgendwie aus – und genau das ist das Problem, wie der dritte Teil der Studie „Personalmanagement Trends 2016“ herausgefunden hat.

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 Vielfältige Möglichkeiten

Aber nochmals von vorne: In der Schweiz sind aktuell 3.5 Millionen aktiv auf Social Media unterwegs. Die grosse Verbreitung und hohe Akzeptanz von Social Media hat dazu geführt, dass viele Schweizer Unternehmen auch auf den Zug aufgesprungen sind. Anfänglich zwar vor allem zu Produkt-/Dienstleistungsmarketingzwecken, und seit ein paar Jahren nun immer stärker auch für HR-Zwecke. Die Möglichkeiten in diesem Bereich sind zahlreich und lassen der Phantasie praktisch freien Lauf: Während sich Unternehmen auf sozialen Netzwerken wie Facebook, Xing oder LinkedIn als attraktive Arbeitgeber präsentieren oder Vakanzen platzieren können, informieren Bewertungsportale wie Kununu über die Arbeitgeberqualität. Microblogs wie Twitter können bei der Verbreitung von offenen Vakanzen und Unternehmensneuigkeiten unterstützen, und Sharing Portale wie Youtube oder Instagram sind ideale Plattformen um einem Unternehmen ein Gesicht zu geben.

Social Media kann demnach nicht nur fürs Recruiting, sondern auch zu Employer Branding Zwecken eingesetzt werden –  idealerweise sogar in Kombination. Die einzige Bedingung für den erfolgreichen Einsatz: die Auswahl und Pflege der einzelnen Kanäle und Plattformen muss zielgruppengerecht, respektive regelmässig, und Teil einer Strategie sein. Und genau das läuft oftmals schief!

Ein bisschen Social Media machen  

Ein Unternehmensauftritt auf Social Media ist schnell erstellt: Plattform auswählen, Anmeldeformular ausfüllen, Logo oder Bild hochladen, kurze Vorstellungsrunde und voilà – mission completed. Hürden gibt es praktisch keine, fast alle Plattformen haben zumindest eine kostenlose Basisvariante und so wundert es nicht, dass bereits 76% der untersuchten Unternehmen über mindestens einen Unternehmensaccount auf Social Media verfügen.

Unternehmensaccounts_02Ein Account alleine macht jedoch noch lange keinen gelungenen Auftritt aus und es scheint, als ob bei vielen Unternehmen die anfängliche Motivation für den Einsatz von Social Media ziemlich schnell auch wieder verschwindet. Denn ein genauer Blick auf die Accounts zeigt: stolze 43% der untersuchten Unternehmen haben tote Accounts! Und auch die restlichen 57% posten oftmals nur sporadisch. Auf Social Media eigentlich ein Kapitalverbrechen, denn der unregelmässige Unterhalt hinterlässt nicht nur einen schlechten, unprofessionellen Eindruck, sondern trägt auch nicht zur Stärkung der Arbeitgebermarke bei.

Tote_Accounts Social Media Recruiting light

Social Media Recruiting ist einer der Begriffe, die schon länger durch die HR-Abteilungen geistern und auf HR-Events zum guten Ton gehören. Hier dreht sich alles darum, wie man über und mithilfe von Social Media neue Mitarbeiter rekrutieren kann. Ruft man sich die aktuell 3.5 Millionen Social Media Nutzer ins Gedächtnis, hat dies durchaus seine Berechtigung. Und trotzdem gibt es auch hier noch viel Potenzial bei der Umsetzung: Nur knapp die Hälfte der untersuchten Unternehmen nutzt zumindest einen Social Media Kanal zur Verbreitung von Stellenausschreibungen. Mit gerade einmal 49% findet LinkedIn bei den untersuchten Unternehmen die meiste Beachtung, dicht gefolgt von Xing mit 43%. Dass Facebook und Twitter eher weniger dafür eingesetzt werden, ist verständlich.

Balkendiagramm_01Das Hauptproblem ist aber nicht die Zurückhaltung der Unternehmen bei Social Media Recruiting, sondern die Art, wie es gemacht wird: Wenn Social Media Kanäle zur Stellenausschreibung genutzt werden, wird dies meist nicht professionell und systematisch via Unternehmensaccount gehandhabt, sondern hauptsächlich durch das sporadische Teilen von Stellenausschreibungen via Mitarbeiter. So betrachtet, ist das also eher Social Media Recruiting light und hat mit dem „richtigen“ Social Recruiting nicht viel am Hut.

Da blutet das Social Media Herz

Bei Social Media geht es nicht nur darum, dass man teilt, posted oder liked, sondern vor allem auch darum, dass man (sich) vernetzt. Für Unternehmen bedeutet das einerseits, dass sie einen Follower-Kreis aufbauen, und andererseits dass ihre Social Media Aktivitäten auf einer Plattform zusammenlaufen sollten. In HR-Belangen ist diese Plattform die Karriereseite. Als Herzstück des Personalmarketings sollte sie der zentrale Ausgangs-/Endpunkt für jegliche Aktivitäten sein und deshalb auch alle Social Media Aktivitäten einbeziehen.

Aber auch der Blick auf die Karriereseiten der untersuchten Unternehmen verheisst nichts Gutes: einerseits mangelt es an Links und andererseits verweisen viele Links auf tote Accounts. Da blutet das Social Media Herz! Es scheint, als ob sich Unternehmen in der Eile „auch auf Social Media sein zu wollen“, keine Gedanken über das Vorgehen gemacht haben und es deshalb oftmals an einer klaren Strategie fehlt.

Ganz oder gar nicht

Ja, mein Herz schlägt für Social Media! Deshalb kann ich mich wohl sehr gut ereifern, wenn Unternehmen auf und mit Social Media kleine und grössere Kapitalverbrechen begehen. Man muss die Social Media-Thematik aber auch mit einem etwas kühleren Kopf betrachten: Wenn es um die Rekrutierung oder die Stärkung der Arbeitgebermarke geht, ist Social Media bloss ein Teil (wenn auch ein nicht ganz unbedeutender!) des Ganzen und nicht das einzig Wahre. Aber als Teil des Ganzen muss es in strategische Überlegungen einbezogen und die beiden Grundprinzipien befolgt werden: „Ganz oder gar nicht“ und „Lieber weniger, dafür richtig“. Nur so gelingt ein erfolgreicher Auftritt und nur so kann Social Media auch in Zukunft zum Wohle des Unternehmens genutzt werden.

Über die Studie

Die Studie „Personalmanagement Trends 2016“ wurde von jacando in Zusammenarbeit mit HR Today und dem Schweizerischen KMU Verband erstellt und hat rund 100 HR-Fachleute und Geschäftsführer aus der Schweiz zum Umgang mit der Digitalisierung befragt. Gleichzeitig wurden über 100 Webseiten von Schweizer Unternehmen auf dieselben Kriterien untersucht. Aufgrund der Grösse der Umfrage ist die Studie in drei Schwerpunkte gegliedert: Rekrutierung (I), Employer Branding in der Rekrutierung (II) und Social Media im HR (III). Sie können hier  kostenlos heruntergeladen werden. Der dritte Teil erscheint morgen.

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