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HRM 4.0: Noch nicht mit uns! Besuch an der Personal Swiss

Die Arbeitswelt befindet sich in einem digitalen Transformationsprozess, der auch vor den Aufgaben des HRs nicht Halt macht. Online Stellenausschreibungen und Bewerbungsmöglichkeiten haben sich zwar durchgesetzt, aber da hört es bei vielen Unternehmen auch bereits wieder auf. Ein Besuch an der diesjährigen Personal Swiss, grösste Schweizer Fachmesse für HR, hat gezeigt, wo die Schweizer Unternehmen stehen und welchen Zug sie auf keinen Fall verpassen dürfen.

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Foto Friederike Tröndle / Personal Swiss

HRM 4.0 – Was hat es mit dem 4.0 auf sich? HRM (Human Resource Management) 4.0 ist abgeleitet von Industrie 4.0, welches ein aus Deutschland stammendes Förderprogramm bezeichnet, das die Vernetzung von Personen und Geräten zur Erleichterung aller Prozesse unterstützt. 4.0 meint somit nichts anderes als die Digitalisierung. Für das HRM bedeutet dies die Digitalisierung aller HR-Prozesse; also nicht nur die Veröffentlichung von Stellenanzeigen in online Netzwerken oder auf Job-Plattformen, sondern darüber hinaus das Handling des gesamten Bewerber- und Talentmanagementprozesses.

HRM 4.0 war das Thema der Messe- an zahlreichen Podiumsdiskussionen und Referaten erfuhren die Besucher Trends und Wissenswertes zum Thema – es sah ganz so aus, als ob die Digitalisierung im HRM in der Schweiz voll angekommen ist.

Hätte, könnte, sollte… Alles eine Frage der Unternehmenskultur – oder? Obwohl es immer mehr und zum Teil auch sehr kostengünstige Möglichkeiten zur Digitalisierung der Prozesse gibt, sind doch erst hauptsächlich die grösseren, agileren Unternehmen auf den Zug aufgesprungen. Es scheint, als ob die Grösse und Kultur eines Unternehmens ausschlaggebend für die Umsetzung von HRM 4.0 ist. Bei genauerem Hinhören stellte sich jedoch heraus, dass vor allem der Stellenwert der HR-Abteilung im Unternehmen bei der Einführung von HRM 4.0 eine zentrale Rolle spielt. Ist die HR-Abteilung nur ausführend, wird als Kostenstelle betrachtet und ist im schlimmsten Fall einer anderen Abteilung unterstellt, die nichts mit HR zu tun hat, wird es selbst für den agilsten HR-Verantwortlichen schwierig, die Digitalisierung im HR durchzusetzen. So wundert es nicht, dass rundum und gleichzeitig zur Forderung nach einem breiten Einsatz von HRM 4.0 auch die Stärkung der HR-Rolle und –Abteilung gefordert wurde.

Der Bewerber als Kunde oder „candidate experience“. HRM 4.0 bringt aber auch für den Bewerber eine neue, angenehme Perspektive mit sich und zwar, dass der Bewerbungsprozess auch für ihn vereinfacht wird und er binnen kürzester Zeit weiss, wo er steht und wie es für ihn weitergeht. An dieser Stelle kommen die „One-Click-Bewerbung“ und Bewerbermanagementtools zum Tragen: Die One-Click-Bewerbung ermöglicht Kandidaten, dass ihr aktuelles Bewerberprofil per Mausklick aus einem Karrierenetzwerk wie Xing oder direkt aus ihrem Lebenslauf ausgelesen und in die Datenbank des Wunscharbeitgebers importiert werden kann, ohne dass ein langatmiges Formular ausgefüllt werden muss.

Bewerbermanagementtools ermöglichen HR-Abteilungen das schnelle Vergleichen, Verwalten und Kontaktieren der Kandidaten, sodass die Reaktionszeit um bis zu 80% schneller ist als ohne. Auch hier war das Interesse für solche Tools gross, aber der Einsatz noch verhalten.

Wer seinem Bewerber eine rundum Candidate experience ermöglichen möchte, der sollte aber noch weiter ausholen und sich fragen, wie sich der Bewerber bewegt, respektive wie er seine Informationen einholt. Im Wissen, dass bereits über 40% der Stellensuchenden dies mobil tun und bereits 10-15% der Bewerbungen auch mobil verschickt werden, spielt mobile recruiting plötzlich eine immer grössere Rolle.

Die ewige Diskussion um Social Media. Zugegeben, ja, es ist wirklich eine ewige Diskussion und so manch ein HR-Leiter, Recruiter oder vor allem aber auch Geschäftsleiter mag sie wohl nicht mehr hören. Aber: Es ist eine Tatsache, dass Kandidaten auf Social Media Kanälen und vor allem sozialen Netzwerken unterwegs sind. Wer also gesehen werden will, der sollte sich dort bewegen, wo potenzielle Kandidaten anzutreffen sind. Selbstverständlich müssen nicht alle Kanäle bedient werden, das wäre alles andere als effizient, aber es braucht eine gesunde Balance und Aktivität auf ausgewählten Kanälen. Hierzu und auch zu anderen Trendthemen werden wir demnächst auf unserem Blog schreiben.

Was bringt die Zukunft? Zweifelsohne werden die Bewerber immer jünger- und mit diesen folgt die Generation „Kopf unten“ oder in anderen Worten die „Handy Natives“. Diese Generation ist mit dem Handy und dem Internet aufgewachsen und verbringt darauf und in seinen Netzwerken jeden Tag viel Zeit – sehr viel Zeit sogar. Bei Fragen suchen sie auf Google oder ihren Netzwerken und sind es sich gewohnt, dass sie innerhalb kürzester Zeit eine Antwort oder zumindest Reaktion darauf haben. Diese Generation hat eine enorm hohe Erwartungshaltung was die Redaktionsfreudigkeit anderer betrifft, aber auch gegenüber online und mobiler Präsenz von Unternehmen, wenn es beispielsweise ums Bewerben geht. Spätestens dann, wenn diese Generation zu den vielgesuchten Fachkräften oder Talents gehört (und das dauert nicht mehr lange!), dann sind alle Unternehmen, die gute Kandidaten ansprechen und einstellen wollen, gezwungen, ihr HRM auf 4.0 aufzurüsten.

Unser Messe-Fazit und unsere Botschaft an Sie: Liebe kleine, mittlere und grosse Unternehmen, liebe HR-LeiterInnen und Recruiter, habt Mut und seid offen für Neues! Die Digitalisierung stellt definitiv keine Gefahr für euch dar, sondern unterstützt euch in euren Aufgaben- weg von der Administration und hin zu Kommunikation. So könnt ihr euch endlich wieder auf die wirklich wichtigen Aufgaben konzentrieren- und zwar auf die Menschen. Denn darin waren sich an der Messe alle einig: selbst die intelligenteste Software wird auch in Zukunft das persönliche Gespräch nicht ersetzen können!

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