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Fachkräftemangel? Das HEKS bietet eine Antwort

Bildschirmfoto 2016-10-04 um 14.32.12Fachkräftemangel. In der Schweiz kein unbekanntes Thema. Schuld daran ist – natürlich nicht allein, aber zumindest grösstenteils – der demografische Wandel. Die Überalterung der Bevölkerung führt zu einem Ungleichgewicht zwischen Erwerbstätigen und Nicht-Erwerbstätigen, mit steigender Tendenz. Dies führt dazu, dass mehr als die Hälfte aller Unternehmen bei der Personalbeschaffung vom Fachkräftemangel beeinflusst sind, und Probleme haben, geeignete Fachkräfte für Vakanzen zu finden. Die Verfügbarkeit von genügend qualifizierten Arbeitskräften ist bekanntermassen äusserst wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen, und dementsprechend dringend sind innovative Ansätze zur Überwindung des Fachkräftemangels.

Ein aus unserer Sicht äusserst interessanter Ansatz bietet das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz (HEKS) mit seiner Kampagne „Chancengleichheit zahlt sich aus“. 

MigrantInnen gegen den Fachkräftemangel

Rund 70% der MigrantInnen aus Drittstaaten können einen Berufs- oder Hochschulabschluss vorweisen. Trotzdem sind sie es, die am stärksten von Erwerbslosigkeit und Überqualifizierung betroffen sind. Um die 50‘000 MigrantInnen gehen in der Schweiz momentan einer Arbeit nach, für die sie überqualifiziert sind. Im Rahmen der seit 2013 jährlich durchgeführten Sensibilisierungskampagne „Chancengleichheit zahlt sich aus“ hat das HEKS dieses Jahr deshalb die Plattform sie-sind-die-antwort.ch gestartet, mit der auf das unentdeckte Potenzial qualifizierter MigrantInnen aufmerksam gemacht werden soll.

Frau Payo Moreno vom HEKS hat sich netterweise die Zeit genommen – und dafür möchte ich mich an dieser Stelle gleich herzlich bei Ihr bedanken – uns die Funktionsweise der Plattform zu erklären, und uns darüber zu informieren, was sonst noch so alles hinter der Kampagne steckt.

„Sie sind die Antwort“

Auf der Plattform „Sie sind die Antwort“ sind über 90 Profile von MigrantInnen aufgeschaltet, die auf der Suche nach einer Stelle sind, die ihren beruflichen Qualifikationen entspricht. Die Portraitierten kommen aus Drittstaaten (also weder aus der Schweiz noch aus EU- oder EFTA-Staaten) und haben in ihrem jeweiligen Herkunftsland einen Hochschul- oder Berufsabschluss gemacht und/oder haben bereits langjährige Berufserfahrung.

Interessierte Firmen finden zu jedem Profil ein Kontaktformular, mit welchem die entsprechende Person direkt kontaktiert werden kann. Danach geschieht das Übliche: Eine Bewerbung, ein Einstellungsgespräch, im besten Fall eine Einstellung. Und das ist auch schon alles…

Natürlich ist es aber nicht immer ganz so einfach. Als ich mich das erste Mal genauer mit der Plattform beschäftigt habe, ist mir aufgefallen dass mehrere der vorgestellten MigrantInnen überhaupt nicht in ihren ursprünglichen Beruf zurückwollen. Dies hat mich etwas verwundert, wirbt das HEKS doch mitunter mit Fachkräftemangel für die Plattform.

Laut Frau Payo Moreno haben die BewerberInnen eine sehr pragmatische Einschätzung ihrer beruflichen Möglichkeiten in der Schweiz. Ein grosses Problem ist das oft langwierige Verfahren zur Anerkennung von im Ausland erworbenen Diplomen. In bestimmten Berufsfeldern ist es ohne zusätzliche Weiterbildung deshalb für viele nicht möglich, wieder im angestammten Beruf zu arbeiten. Eine weitere Schwierigkeit, gerade z.B. für JournalistInnen, sind dabei natürlich auch mangelnde Sprachkenntnisse. Dass sich die BewerberInnen dieser Schwierigkeiten mehr als bewusst sind, verwundert kaum, suchen doch viele bereits seit Jahren den Einstieg in den Schweizer Arbeitsmarkt. Dies ist der Grund, warum viele vorerst ihre Berufsvorstellungen angepasst haben, um trotz diesen Erschwernissen einen Beitrag leisten und sich integrieren zu können.

Die Antwort auf den Fachkräftemangel?

Nur teilweise. Mehrere der Stellensuchenden wollen – und können – in ihrem angestammten Beruf arbeiten und bieten dabei natürlich auch einen Mehrwert für Firmen auf der Suche nach qualifizierten Arbeitskräften. „Sie sind die Antwort“ soll jedoch keine Stellenvermittlungsplattform sein, sondern in erster Linie eine Sensibilisierungskampagne. Die Plattform soll eine Motivation für die Schweizer Wirtschaft bieten, aktiv zu werden und qualifizierten MigrantInnen eine Chance zu geben. Dies ist enorm wichtig, ist aber aus Unternehmenssicht und in Bezug auf den Fachkräftemangel nicht mehr als ein Tropfen auf den heissen Stein. Eigentlich schade, denn genau eine solch fortlaufende Vermittlungsplattform zwischen MigrantInnen und Schweizer Firmen würde unserer Meinung nach eindeutig das Potenzial bergen, den Fachkräftemangel aktiv anzugehen.

Stellenvermittlungsplattform oder Sensibilisierungskampagne hin oder her… wenn Sie jetzt auf der Suche nach qualifizierten Mitarbeitenden sind, lohnt sich das Stöbern auf der Plattform allemal.

Published injacando Geschichtensocial