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Die grosse Chance für KMUs, oder: Wer jetzt nicht handelt, ist selber schuld

Studie zu Employer Branding in der Rekrutierung

Marketing für Produkte oder Dienstleistungen ist nichts Neues – Marketing fürs Unternehmen als Arbeitgeber dafür schon. In Zeiten von Fachkräftemangel und demografischem Wandel sind Unternehmen auch in puncto Arbeitgeber-Attraktivität stark gefordert und Employer Branding eigentlich ein Must. Wie die Studie „Personalmanagement Trends 2016“ zeigt, wird dies aber immer noch verkannt und dabei viel Potenzial verschenkt.

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Früher war vieles einfacher: Fachkräftemangel war ein Fremdwort, Unternehmen konnten aus vielen guten Bewerbern den Besten aussuchen und Mitarbeiter blieben dem Unternehmen jahrzehntelang treu. Dies hat sich in den letzten Jahren deutlich geändert. Schuld ist nicht nur der demografische und gesellschaftliche Wandel, sondern auch das Internet, denn es bringt unzählige neue Wege und Möglichkeiten mit sich – sowohl für Bewerber als auch für Unternehmen. In Bezug auf die Mitarbeitersuche und -bindung verlangen die genannten Herausforderungen von den Unternehmen nicht nur den Mut neue Wege zu gehen, sondern erfordern gleichzeitig Kreativität und Ausdauer.

Zauberwort Employer Branding

Dies alles tönt komplizierter als es ist; das Zauberwort lautet Employer Branding und bezeichnet den Aufbau und die Pflege der Arbeitgebermarke eines Unternehmens gegen innen und aussen. Mit Fokus auf die Mitarbeitersuche, meint es die attraktive Gestaltung der Arbeitgebermarke in der Aussenwahrnehmung und hat unter anderem zum Ziel, dass durch das gute Image die Anzahl und Qualität der Bewerbungen positiv beeinflusst wird. Eine starke, attraktive Arbeitgebermarke wird so zu einem klaren Wettbewerbsvorteil – nicht nur bei grossen, sondern gerade auch bei kleineren und mittleren Unternehmen (KMUs). Trotz der Wichtigkeit ist die Umsetzungsfreude und das Bewusstsein für „echtes“ Employer Branding jedoch nach wie vor gering.

Die Karriereseite – das Herzstück

Die Karriereseite ist das Herzstück im Personalmarketing, denn sie verleiht einem Unternehmen ein Gesicht und verhilft auf einfachste Weise, sich als attraktiven Arbeitgeber zu positionieren. Obwohl Karriereseiten ein einfaches Mittel zum Zweck und eigentlich unabdingbar sind, haben immer noch fast ein Fünftel der untersuchten Unternehmen keine Karriereseite. Dies bedeutet aber nicht, dass die restlichen 81%, welche eine haben, diese sinnvoll nutzen: stolze 41% publizieren auf ihr lediglich Stellenausschreibungen und verschenken damit viel Potenzial. Denn wenn es gerade keine Vakanzen gibt, bleibt die Seite leer und die emotionale Komponente fehlt gänzlich.

Diejenigen Unternehmen mit Karriereseite, publizieren auf ihr mit 49% am häufigsten allgemeine Unternehmensinformationen – Informationen, die eigentlich auch auf der Hauptseite zu finden sind und somit keinen Mehrwert bieten. Fotos von Mitarbeitern (27%), Mitarbeiterreferenzen (16%) oder Unternehmensvideos (13%) finden vergleichsweise noch weniger Anklang. Informationen zu Weiterentwicklungsmöglichkeiten bewegen sich sogar unterhalb von 1%.

Die Tatsache, dass lediglich 45% der untersuchten Karriereseiten mobile-optimiert sind, macht das Ganze nicht besser und zeigt, dass viele Unternehmen diesbezüglich noch nicht in der heutigen Zeit angekommen sind.

Employer Branding falsch gedacht

Eine einladend und nutzerfreundlich gestaltete Karriereseite alleine macht jedoch noch keine gelungene Employer Branding Strategie aus. Dies haben erst 42% der befragten Unternehmen erkannt. Social-Media-Aktivitäten und die Mitarbeiteraktivierung schneiden dabei mit 79%, respektive 71%, vergleichsweise sehr gut ab. Doch der Schein trügt – eine im Nachhinein durchgeführte Überprüfung ergab, dass „echtes“ Employer Branding auf Social Media deutlich weniger verbreitet ist: Die Social Media Kanäle werden mit 55% hauptsächlich dazu genutzt, Informationen zu Produkten und Dienstleistungen zu verbreiten. Echte Employer Branding Massnahmen konnten bei lediglich 21% der untersuchten Unternehmen nachgewiesen werden.

Übrigens: Die ähnlich hohe Verteilung von Social Media und Mitarbeiteraktivierung ist kein Zufall – viele Unternehmen motivieren ihre Mitarbeiter dazu, auf privaten Social-Media-Kanälen Informationen zu Vakanzen zu posten. Selbstverständlich ist dies nicht verkehrt, aber weit weit Weg von einer „echten“ Employer Branding Massnahme.

Und was läuft sonst in puncto Employer Branding in der Rekrutierung?

Leider nicht viel. Es scheint, als ob die Wichtigkeit und der grosse Nutzen von Employer Branding noch nicht bei den Unternehmen angekommen ist. In turbulenten Zeiten wie heute fragt man sich, ob und wie lange sich gerade KMUs dies noch leisten können. Im Kampf um die Besten werden sie ohne etablierte Arbeitgebermarke vermehrt den Kürzeren ziehen und auf lange Frist nur schwer bestehen können.

 

Über die Studie

Die Studie „Personalmanagement Trends 2016“, die von jacando in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen KMU Verband und HR Today durchgeführt wurde, hat im zweiten Teil ihrer dreiteiligen Serie untersucht, inwiefern Employer Branding in der Rekrutierung eingesetzt wird. Dazu wurden rund 100 HR-Fachleute und Geschäftsführer aus der Schweiz zum Umgang mit der Digitalisierung befragt. Gleichzeitig wurden über 100 Webseiten von Schweizer Unternehmen auf dieselben Kriterien untersucht.

Die detaillierten Studienresultate können hier kostenlos heruntergeladen werden. Teil I (Rekrutierung) ist bereits unter dem oben erwähnten Link erhältlich und Teil III (Social Media im HR) der Studie erscheint im vierten Quartal 2016.

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