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Der Traum vom guten Mitarbeiter

War for talents, der Kampf um die Besten – jeder spricht davon, jeder will sie. Unmengen von Geld und Zeit wird deshalb für Employer Branding investiert. Karriereseiten, Mitarbeitervorteile – alles nur, um die Besten unter den Besten zu ködern. Aber – wer sind die Besten? Was genau macht einen wirklich guten Mitarbeiter aus? Und existiert so etwas wie ein perfekter Mitarbeiter, oder handelt es sich dabei eher um eine sagenumwobene Gestalt, die noch nie jemand gesehen hat?

Best Employee or Employee of the Month . Businessman smiles for the awards and accolades he received

Bei guten Mitarbeitern denkt man zuallererst mal an die fachlichen Qualifikationen. Bei uns im PR ist es natürlich von Vorteil, ein Flair für Sprache zu haben und bei den Kollegen vom IT sind Programmierkenntnisse essentiell. Genügen jedoch Fachkenntnisse alleine, um ein wirklich guter Mitarbeiter zu sein? Wohl kaum.

Klar – ohne Fachkenntnisse geht wenig. Aber was einen wirklich guten Mitarbeiter vom ebenfalls gut qualifizierten Rest abhebt, sind nicht zuletzt seine Soft Skills – also die persönlichen Fähigkeiten, die eher zum Charakter als zur beruflichen Qualifikation zählen. Welche Soft Skills gewünscht sind, ist von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich, und verändert sich auch mit der Zeit.

Der gute Mitarbeiter im Laufe der Zeit.

Pünktlichkeit und Fleiss – die sogenannten preussischen Tugenden – sowie Gewissenhaftigkeit und Zuverlässigkeit waren vor allem vor 20 Jahren in den damals vorherrschenden stark hierarchisch organisierten Unternehmen gewünscht.

Ein Blick in aktuelle Stellenausschreibungen zeigt, dass sich dies etwas geändert hat: Inzwischen wird deutlich mehr Gewicht auf die Team- und Projektarbeit gelegt, und damit werden auch andere Soft Skills notwendig. Ganz hoch auf der Liste steht da natürlich die Teamfähigkeit – ein Dauerbrenner, der in beinahe jeder Stellenausschreibung zu finden ist. Mitarbeiter sollen jedoch auch kommunikativ und konfliktfähig sein, was die Zusammenarbeit im Team natürlich ungemein erleichtert. Mit der Digitalisierung und der damit einhergehenden Veränderung vieler Prozesse steigt auch der Bedarf an lernfähigen Mitarbeitenden, die sich schnell an neue Prozesse gewöhnen und nicht gleich in Schockstarre verfallen, wenn eine prozesstechnische Änderung ansteht. Ein guter Mitarbeiter bringt also möglichst viele Qualifikationen bereits mit, zeigt aber auch die Bereitschaft, sich Fehlendes anzueignen und Neues dazu zu lernen. Genau diese Bereitschaft, sich auf Veränderungen einzulassen, anstatt sich dagegen zu wehren, machen gute Mitarbeiter zur treibenden Kraft des Unternehmens. Denn ohne Wandel kann ein Unternehmen in der heutigen Zeit nicht überleben.

In seine Mitarbeitenden investieren.

Ich habe mich für diesen Beitrag ein wenig in meinem Umfeld umgehört und schnell gelernt, dass beinahe jeder eine Meinung dazu hat, was so ein guter Mitarbeiter alles können muss: Er oder sie sollte vor allem ehrlich, motiviert, pünktlich und hilfsbereit sein. In vielen Arbeitsplätzen werden aber auch Soft Skills wie beispielsweise Fleiss, Durchsetzungsvermögen oder Kundenfreundlichkeit verlangt, und die Vorgesetzten sollten sich zu 100% auf ihre Mitarbeiter verlassen können.

Klar ist; so viele gute Eigenschaften sind schwer zu finden – vor allem wenn sie alle in einer Person vereint sein sollten. Deshalb muss man aktiv mithelfen, um seine Mitarbeiter zu den Besten überhaupt zu machen. Denn ein Unternehmen sollte ebenfalls einen Beitrag dazu leisten, damit die Mitarbeiter sich dem gewünschten Idealbild nähern. Klar – viele Soft Skills können nicht einfach in einer Weiterbildung angeeignet werden. Einige aber schon: selbstsicheres Auftreten und Präsentieren oder Kommunikationsfähigkeiten können trainiert werden. Andere Soft Skills können aber auch stark mit dem Arbeitsumfeld beeinflusst werden. Wer in Teambuilding investiert, wird dadurch motiviertere und hilfsbereitere Mitarbeiter erhalten, und auch Ehrlichkeit kann gefördert werden, indem man eine offene und respektvolle interne Kommunikation im Unternehmen aufrechterhält.

Nun aber nochmals zurück zur Mitarbeiterbildung. Diese ist eine nicht zu unterschätzende Investition – und nicht nur in die berufliche Qualifikation der Mitarbeitenden. Weiterbildungen gehören auch zu den effektivsten Massnahmen der Mitarbeitermotivation. Es ist ein Zeichen der Wertschätzung, den eigenen Mitarbeitern Weiterbildungen anzubieten, und wird auch als solches verstanden. Es zeigt, dass einem an einem bestimmten Mitarbeiter so viel liegt, dass man in seine Entwicklung zu investieren gewillt ist. Mitarbeiter, denen Wertschätzung entgegengebracht wird, sind motivierter und damit auch leistungsfähiger. Gleich zwei Soft Skills, die ein perfekter Mitarbeiter mit sich bringen sollte.

Wenn die Idealvorstellung dem Fortschritt im Weg steht.

Allerdings kann man es mit den Idealvorstellungen auch auf die Spitze treiben. In einer Studie hat Dr. Andrea Derler untersucht, wie der ideale Mitarbeiter für Personalverantwortliche aussieht. Das Resultat ist insofern verblüffend, als dass die Idealvorstellung in den Köpfen oft nicht mit dem übereinstimmt, was schlussendlich wirklich in Mitarbeitenden gesucht wird. Laut Derler wird zwar überall nach kreativen und innovativen Köpfen gesucht, eingestellt werden dann aber eher die angepassten Mitarbeitenden, die tun was man ihnen sagt.

Einstellen nach einem fixierten Ideal birgt auch das Risiko, dass immer ähnliche Kandidaten ausgewählt werden, was die Innovationskraft des Unternehmens hemmen kann. Derler schlägt daher vor, bei der Personalauswahl immer auch das Innovationspotential der Kandidaten zu prüfen.

Der ideale Mitarbeiter existiert nicht – der gute Mitarbeiter aber schon.

Wir können also mit gutem Gewissen sagen: Es gibt keine perfekten Mitarbeiter. Und die Suche danach kann nicht nur förderlich fürs Unternehmen sein. Einen sehr guten Mitarbeiter zu finden ist jedoch durchaus möglich – vor allem, wenn man bereits erkannt hat, dass niemand perfekt sein kann, und deshalb mit realistischen Erwartungen an die Sache herangeht. Und natürlich sollte man nicht vergessen, dass ein Mitarbeiter mit der Zeit ins Unternehmen hineinwachsen wird. Mit etwas Raum für Entfaltung und den richtigen Weiterbildungsmassnahmen – wer weiss, vielleicht entwickelt sich da ein Mitarbeiter, der der Perfektion so nah wie eben möglich kommt.

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