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Best Practices in Candidate Experience

Candidate Experience – also all jene Eindrücke welche sich ein Kandidat vor und während dem Rekrutierungsprozess vom potentiellen Arbeitgeber macht – hat uns schon in einem früheren Beitrag beschäftigt. Da haben wir uns vor allem auf eine Definition konzentriert, und beschrieben, was eine gute Candidate Experience ausmacht.

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Klar, es können Unmengen von Geld und Zeit in die perfekte Karriereseite oder aufwändige Online-Formulare gesteckt werden. Doch das hilft alles nichts, wenn die Realität dann doch etwas anders aussieht. Dieser Beitrag soll sich deshalb mit denjenigen beschäftigen, die scheinbar alles richtig machen, und prüfen, ob und was wir von ihnen lernen können.

Die Awards.

Candidate Experience ist wichtig – in diesem Punkt sind sich mittlerweile viele einig. Aber in der letzten Zeit wurde das Thema regelrecht in den Himmel hochgejubelt. Neben unzähligen kleineren und grösseren Studien zum Thema gibt es inzwischen sogar Awards, wie zum Beispiel der jährlich stattfindende „Candidate Experience Award“ der DACH Region, bei welchem Unternehmen für eine besonders gute Candidate Experience ausgezeichnet werden. Das erheiternde Gegenstück dazu bildet „Die Goldene Runkelrübe“, wo Unternehmen für die schlechteste Stellenanzeige oder die unattraktivste Karriereseite ausgezeichnet werden. Aber was genau macht den Erfolg der Unternehmen aus, welche an solchen Awards abräumen (und damit sind natürlich nicht die Empfänger der goldenen Runkelrübe gemeint)?

Im Folgendem wollen wir drei der 15 Gewinner der „Candidate Experience Awards 2015“ der DACH Region untersuchen. Bei den Awards wurden im letzten Jahr 130’000 Bewerber (erfolgreiche, aber auch solche, die eine Absage erhalten haben) über ihre Erfahrungen mit den nominierten Unternehmen befragt. Bei den 15 Arbeitgebern welche gewonnen haben, würden sich laut Betreiber-Website mehr als 90% der Bewerber wieder bewerben, auch wenn sie eine Absage bekommen haben. Einige können sich sogar über eine Weiterempfehlungsrate von 95% freuen. Wir haben uns bei der Untersuchung vor allem auf die auf den ersten Blick sichtbaren Kriterien für eine gute Candidate Experience fokussiert – Karriereseite und Social Media Kanäle.

Und die Gewinner sind…

DZBank_logo                        bc-logo                   Jochen Schweizer Logo

Die drei untersuchten Unternehmen erfüllen alle die Basic-Anforderungen: Man findet sie einfach auf Google, Stelleninserate sind übersichtlich gestaltet und klar formuliert, und auch die Karriereseite muss man auf der Unternehmenshomepage nicht lange suchen. Aber natürlich zeichnen sie sich noch durch ganz andere Dinge aus…

Berlin Chemie AG

berlin-chemie printscreen

Die Berlin Chemie AG besticht vor allem durch eine herausragende Karriereseite, die viele Infos zu verschiedenen Beschäftigungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie Benefits für Mitarbeiter enthält und einem mittels Mitarbeiter-Videos und -Bildern einen guten Einblick in die Mitarbeiterkultur des Unternehmens gibt. Was sehr gut ankommen dürfte, ist die Unterseite „Bewerbungsprozess“, wo kurz und bündig beschrieben wird, wie ein Bewerber vorgehen soll. Nett ist auch die Versicherung, dass ein Bewerber in jedem Fall eine Rückmeldung zur gesendeten Bewerbung erhalten wird.

Was erstaunt, ist das totale Fehlen von Verknüpfungen zu Social Media Kanälen. Berlin Chemie AG besitzt zwar Accounts auf Xing und LinkedIn, nutzt die Karriereseite aber nicht, um diese zu verlinken. Schade! Warum das schade und die Berlin AG nicht das einzige Unternehmen ist, das diesen Fehler macht, lesen Sie hier.

DZ Bank AG

DZ Bank AG printscreen

Auch die DZ Bank AG hat eine übersichtliche und ausführliche Karriereseite, die dem Bewerber viel Infos über das Unternehmen als Arbeitgeber bieten. Unter Titeln wie „Unsere Werte und Kultur“, „Work-Life-Balance“ und „Leistungen und Altersversorgung“ zeigt die DZ Bank AG, was Sie als Arbeitgeber zu bieten hat. Besonders viel Wert wird auf Transparenz gelegt. Einzelne Mitarbeiter erzählen zum Beispiel in sehr natürlich wirkenden Fotostrecken über Ihre Erfahrungen im Unternehmen. Besonders erfreulich für den Bewerber ist aber wiederum die klare Angabe zum Bewerbungsprozess. Dabei wird genau betitelt, was wie lange dauert – und das grosse Plus: Zwischenspeicherung ist im Online-Formular möglich.

DZ Bank Bewerbungsverfahren

Auf der Karriereseite fehlen auch die Links zu Social Media nicht: Twitter, Facebook, Xing, LinkedIn, kununu und Youtube – mit Ausnahme von LinkedIn alle regelmässig bespeist, wenn auch vor allem mit produktspezifischem Inhalt.

Jochen Schweizer AG

Jochen Schweizer printscreen

Ganz anders sieht es bei der Jochen Schweizer AG aus. Hier findet man die Karriereseite unter „Jobs“ im Footer der Unternehmenshomepage. Auf der Karriereseite ist dann auch nicht viel mehr zu finden als offene Stellenangebote. Allerdings sind diese Stelleninserate sehr liebevoll mit lustigen Bildern gestaltet und auch das Wording vermittelt ein ganz bestimmtes Bild des Unternehmens: jung, offen, humorvoll, und innovativ. Hier fühlt man sich willkommen und geschätzt.

Jochen Schweizer Bsp

Bewerben kann man sich per Online-Formular, welches man nach Angaben der Jochen Schweizer AG in nur 5 Minuten ausfüllen kann. Verlinkt ist die Homepage mit spontacts, Facebook, google+, Instagram, Twitter und Youtube, aber die Kanäle werden wie bei der DZ Bank AG vor allem für herkömmliches Marketing verwendet.

Und was sagt kununu?

Das oben Beschriebene sieht zwar nett aus, aber Papier (oder in dem Fall die Website) nimmt alles an und es kommt schliesslich auf die Umsetzung im Alltag an. Den Praxistest können wir selbstverständlich nicht in echt machen, aber die beiden Arbeitgeberbewertungsplattformen kununu und Glassdoor können uns dabei helfen, etwas hinter die Kulissen zu schauen.

Die drei untersuchten Unternehmen schneiden auf kununu alle relativ gut ab und liegen einiges über dem jeweiligen Branchen-Durchschnitt. Auch die Weiterempfehlungsrate ist sehr hoch (Jochen Schweizer 81%, DZ Bank 88%, Berlin Chemie 72%). Der Schein gegen aussen trügt also nicht, und die Unternehmen werden von ihren Mitarbeitenden auch tatsächlich als gute Arbeitgeber bewertet. Auch bei den Bewerbern schneiden die drei Unternehmen sehr gut ab (Jochen Schweizer 4.17, DZ Bank 4.05, Berlin Chemie 3.20). Dabei wurde vor allem das herausragende Bewerbungsverfahren mit schnellen Antworten und genauen Angaben zu den vorgesehenen Zeitfenstern gelobt. Jochen Schweizer und DZ Bank konnten auch durch eine angenehme, wertschätzende Atmosphäre, sympathische Gespräche und erstklassige Kommunikation punkten. Dies ging bei Berlin Chemie etwas verloren, wo einige Bewerber das Vorstellungsgespräch als kühl und unangenehm empfunden haben.

Das Zeitalter der Arbeitgeberbewertung.

Kununu ist mitnichten der einzige Ort, wo der Bewerber sich Bewertungen eines Unternehmens durch andere Bewerber, Mitarbeiter und Ex-Mitarbeiter ansehen kann. Glassdoor.com, companize.com, arbeitgebertest.de, jobvoting.de – Arbeitgeberbewertungsportale sind im Trend, und das Ganze als irrelevant, oder sogar als „Spinnerei“ abzutun, wäre nach personalmarketing2null-Blogger Henner Knabenreich einfach nur „grob fahrlässig“. Denn laut regelmässigen Studien informiert sich heute bereits jeder dritte Bewerber schon im Voraus über ein Unternehmen. Für Arbeitgeber mag dies eine reine Horrorvorstellung sein, aber Arbeitgeberbewertungsportale können durchaus auch für eigene Zwecke genutzt werden. Super sind natürlich viele positive Rückmeldungen, aber man sollte sich auch nicht vor negativen Rückmeldungen fürchten. Wer zum Beispiel sowohl auf positive als auch negative Bewertungen professionell reagiert, kann einen guten Eindruck hinterlassen.

Die Moral der Geschichte.

Um nochmals auf die Unternehmen zurückzukommen. Bei Candidate Experience geht es in erster Linie um Wertschätzung gegenüber dem Kandidaten. Dabei sind vor allem schnelle Reaktionszeiten und eine klare, transparente Kommunikation ausschlaggebend. Die Reaktionszeiten konnten wir an dieser Stelle leider nicht überprüfen, aber in Sachen Transparenz und Kommunikation auf Augenhöhe haben die drei Unternehmen gute Arbeit geleistet. Übersichtliche, informative Karriereseiten ermöglichen dem Kandidaten eine Vorstellung davon, wie es wäre, in diesem Unternehmen zu arbeiten. Genau Angaben zum zeitlichen Ablauf des Bewerbungsverfahrens ersparen dem Kandidaten das Warten in unangenehmer Ungewissheit. Aber auch die Art und Weise, wie man den Kandidaten in der Stellenausschreibung oder auf der Karriereseite anschreibt, kann die Candidate Experience beeinflussen, wie uns das Beispiel der Jochen Schweizer AG zeigt.

Das Thema Candidate Experience soll uns noch ein wenig weiter beschäftigen. „Bad Practices“-Awards wie die goldene Runkelrübe und Geschichten aus dem eigenen Umfeld zeigen uns immer wieder, dass es in der Realität mit der perfekten Candidate Experience oft noch ein wenig hadert. Dies ist der Grund, warum wir uns entschlossen haben, einen Beitrag zu „Bad practices“ aus Sicht der Kandidaten zu verfassen. Haben auch Sie eine solche Geschichte zu teilen? Wir freuen uns darauf.

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