Zum Inhalt springen

Arbeiten wo immer man will! New Work und der neu erfundene Raum.

In unserem letzten Beitrag haben wir uns mit dem Begriff „New Work“ im Allgemeinen befasst. Wir haben gesehen, dass unter New Work viele Phänomene vereint sind, welche die Arbeit der Zukunft bestimmen. Der Arbeitsplatz ist eines davon. Im Arbeitsplatz der Zukunft werden Räume neu erfunden, und dabei nicht nur die klassischen Büroräumlichkeiten auf den Kopf gestellt, sondern auch die Notwendigkeit der Arbeiter vor Ort hinterfragt.

Einzelarbeitsplätze sind passé. Im Trend sind heute Arbeitszonen. Innovative Unternehmen setzen vermehrt auf das Angebot einer Vielzahl an Arbeitsumgebungen, die sich an die Tätigkeiten der Mitarbeitenden anpassen. Neben Work-Spaces, die sich für Teamarbeit und abteilungsübergreifende Begegnung eignen, braucht es Rückzugsorte, wo es still ist und man sich gut konzentrieren kann. Begegnungszonen sind dafür geeignet sich zu vernetzen und im Austausch neue Ideen zu sammeln. Immer wichtiger werden auch Erholungszonen, und manchmal werden sogar firmeninterne Freizeit- und Wellnessangebote für die Mitarbeitenden geschaffen. All dies klingt verdächtig nach Employer Branding, und hat sicherlich auch viel damit zu tun. Aber die Umgestaltung des Arbeitsplatzes zielt auch darauf ab, die Produktivität, Kreativität und Gesundheit der Mitarbeitenden bestmöglich zu fördern.

Die Voraussetzung der mobilen Arbeit.

Möglich gemacht wurde diese Mobilität des Arbeitsplatzes erst durch die Digitalisierung. Mobile Endgeräte und Technologien binden unseren Arbeitsplatz nicht länger an den uns zugeteilten Schreibtisch. Wir verrichten unsere Arbeit bereits grösstenteils am Laptop und kommunizieren per Telefon oder Mail mit unseren Kunden. Einfach gesagt: Der Arbeitsplatz ist dort, wo unser Laptop ist. Cloud-Services ermöglichen es uns, überall Zugriff auf unsere Daten zu haben und Software für Kommunikation, Personalverwaltung, sowie Task-, und Projektmanagement hilft, selbst dann den Überblick zu behalten, wenn das Team in alle Winde verstreut ist. So braucht’s bloss noch eine gute Netzqualität und schon kann man arbeiten, wo immer man will – und dies beschränkt sich natürlich nicht nur auf „wo immer man innerhalb des Unternehmens will“, sondern auch auf alle möglichen Arbeitsplätze ausserhalb des Unternehmens.

Von Home Office, Co-Working Spaces und digitalen Nomaden.

Aber wo arbeiten, wenn nicht im Unternehmen? Im Folgenden werde ich Ihnen einige Möglichkeiten dazu vorstellen:

Am bekanntesten ist natürlich Home Office: Besonders für Eltern oder Menschen mit langem Arbeitsweg bietet Home Office unzählige Möglichkeiten. Familie und Berufsleben lassen sich dadurch einfacher koordinieren, und das mühselige Pendeln kann man sich dabei sparen. Zudem arbeitet man zu Hause oft konzentrierter als in einem grossen Büro, da man mehr Ruhe hat und so weniger abgelenkt ist.

Eine etwas neuere Erfindung sind Co-Working Spaces oder Pop-Up-Offices. In solchen Arbeitsräumen kann man einzelne Arbeitsplätze für gewisse Zeiträume mieten, und dabei von der professionellen Infrastruktur profitieren. Co-Working Spaces sind offene Orte, wo einem nicht nur alles für die Arbeit Notwendige wie Internetverbindung, Drucker oder auch Besprechungsräumlichkeiten zur Verfügung gestellt wird, sondern einem auch die Möglichkeit geboten wird, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und Networking zu betreiben. Dadurch können neue Ideen generiert, aber auch Aufträge gewonnen werden. Co-Working Spaces gibt es inzwischen weltweit in fast allen grösseren Städten – In der Schweiz unter anderem in Bern, Zürich und Basel.

Noch weiter geht das Phänomen der sogenannten digital nomads. Eine neue Generation von Arbeitern (vor allem Freelancern, aber auch durchaus Angestellten), die sich nicht nur nicht mehr an eine feste Büroräumlichkeit, sondern auch nicht mehr an einen festen Lebensort binden wollen. Reisen, den Horizont erweitern, Leute und Kulturen kennenlernen und das alles beim Arbeiten? Die Digitalisierung macht es möglich. Chiang Mai, Melbourne, Taipeh, Brüssel, Amsterdam, oder doch eher eine Stadt auf Bali? Der Ort ist völlig egal. Das einzige was die digitalen Nomaden brauchen ist eine gute WLAN-Verbindung, denn das Büro (den Laptop und das Handy) haben sie bereits im Rucksack dabei. Inzwischen gibt es eine ganze Community solcher Arbeitsnomaden, die exponentiell zu wachsen scheint. Natürlich braucht es für diese Form der Arbeit die richtigen Tools – Video Calls werden umso wichtiger, je seltener man sich persönlich für Meetings treffen kann und Dokumente müssen durch sichere Cloud-Systeme überall auf der Welt zugänglich sein. Aber zum Glück gibt es inzwischen viele Apps und cloudbasierte Software wie Trello, Asana oder Slack, durch die sich Aufgabenzuteilung, Arbeitsprozesse und Meetings im virtuellen Raum managen lassen.

Ein Mehrwert für die Unternehmen?

All diese neuen Konzepte des Arbeitsplatzes klingen wunderbar – zumindest aus der Perspektive des Arbeitnehmers. Aber können auch die Unternehmen davon profitieren? Wir sagen ja.

Zum einen können Firmen einfacher Talente finden, indem sie ihren Angestellten ortsunabhängige Arbeit ermöglichen. Denn kaum etwas motiviert mehr, als wenn man seinen Mitarbeitenden die Freiheit gibt, dort zu arbeiten, wo sie sich am wohlsten fühlen. Und gerade wenn es um Talente geht, sind solche Goodies ein absoluter Pluspunkt. Flexible Arbeitsstrukturen ermöglichen es Unternehmen zudem, überall zu rekrutieren. Und wenn man Arbeiten kann, wo immer man will, hat man aus Mitarbeiter auch keinen Grund, seinen Job wegen einem Ortswechsel zu kündigen. Zudem führen flexible Arbeitsstrukturen zu kreativeren, motivierten und ausgeglichenen Mitarbeitenden: Wir alle kennen es; die ganze Woche jeden Tag im selben Raum zu sitzen kann zermürbend sein. Zudem gehören mangelnde Perspektiven und unflexible Arbeitszeitmodelle zu den Hauptgründen für Job-Unzufriedenheit. Ein Ausbruch aus der Routine des Arbeitsalltags, einen Ortwechsel – auch wenn es nur ins Café an der nächsten Ecke geht – und damit gewonnene neue Eindrücke können Wunder bewirken, wenn es um Kreativität, aber auch um Arbeitszufriedenheit geht. Ausserdem muss es absolut nicht prozesshinderlich sein, wenn ein Teil des Teams sich nicht vor Ort befindet. Im Gegenteil. In Ihrem Beitrag zum digitalen Nomadentum stellt Katja Andes sogar die These, dass lückenhafte Dokumentation und unklare Prozesse in lokalen Teams weniger schnell auffallen als dann, wenn ein Teil des Teams ortsunabhängig arbeitet. Schwachstellen können so rascher entdeckt und korrigiert werden und so zu einer besseren Prozessorientierung im Unternehmen beitragen.

Das Ende des Einzelarbeitsplatzes?

Und was ist mit dem persönlichen Schreibtisch, den man so liebevoll mit Bildern der Familie oder einer Topfpflanze dekoriert hat? Handelt es sich dabei um eine vom Aussterben bedrohte Spezies? Davon gehen wir nicht aus.

Natürlich funktioniert die mobile Arbeit nicht in allen Branchen und Jobs, sondern beschränkt sich weitgehend auf die Wissensarbeit. Aber auch da ist es nicht jedermanns Sache, arbeitend die Welt zu bereisen, oder ständig den Arbeitsplatz zu wechseln. Manche wollen und brauchen einfach die klaren Strukturen eines festen Arbeitsplatzes. Und das ist vollkommen in Ordnung so. Denn genau das ist der eigentliche Mehrwert für Unternehmen. Indem den Mitarbeitenden die Wahl gelassen wird, in welcher Umgebung sie am besten arbeiten können, werden diese produktiver, kreativer, und vor allem auch loyaler. Dafür braucht es jedoch vom Unternehmen eine gewisse Portion an Mut zur Innovation, und vom HR einen anfänglichen Mehraufwand. Denn die Umstellung wird nicht von heute auf morgen geschehen, sondern sollte in Etappen zusammen mit den Mitarbeitern erarbeitet werden. Einen Zeitaufwand, der sich in Zukunft auszahlen wird.

Published in[:de]HR Trends[:en]HR Trends[:de]HR Wissen[:en]HR Know-howKnow-How