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Arbeit 2030 – wie sich das Büro neu erfindet.

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Fliegende Autos, autonome Siedlungen unter Wasser, Leben auf dem Mond und humanoide Roboter auf der Erde. Als Kind schaute ich mir allzu gerne bebilderte Sachbücher meines Vaters an. Darin: Zukunftsvisionen der 70er, die uns zeigen sollten, wie Menschen im Jahr 2000, 2010 oder gar 2020 leben würden. Rückblickend können viele dieser Zukunftskonzepte als verfrühte Träumereien abgetan werden.

Leider bin ich heute morgen nicht zur Arbeit geflogen, leider schlafe ich heute Nacht nicht in meinem Haus unter Wasser und menschliche Roboter sind noch immer hochempfindliche Prototypen, die das Labor selten verlassen.

Im letzten Beitrag unserer Serie “Arbeit 2030”, haben wir vor allem Arbeitsplätze ausserhalb der klassischen Bürowelt vorgestellt und erläutert. Offenkundig begünstigt die Entwicklung zu einem digitalisierten Arbeitsumfeld Co-working spaces, Home-Office & Co., doch was passiert mit den ehemals “analogen” Büros?

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Innenansicht des Adidas “Laces” Gebäude (Credit: blog.adidas)

Wo “traditionelle” Büros noch heute funktionieren.

Sind die Zeiten von “traditionellen” Büros nun vorbei? Nein, ein von kreativen Köpfen und unbeugsamen Mitarbeitern bevölkertes Dorf hört nicht auf, die Bürokultur wiederaufleben zu lassen. Zugegebenermassen handelt es sich bei Herzogenaurach um eine Stadt mit immerhin über 23.000 Einwohnern und ca. 4000 Adidas Beschäftigten. Traditionelle Bürokultur ist vielleicht auch nicht der richtige Begriff um das neue, Laces gennante Gebäude der Adidas AG zu beschreiben, denn hier wird vorgemacht wie work-life Balance und employer branding heutzutage umgesetzt werden. Flexibilität, Dynamik und Konnektivität werden hier unter einen Hut (bzw. ein Gebäude gebracht). Das Büro lebt!

“Wenn ich gute Arbeit verlange, muss ich auch die Voraussetzungen dafür schaffen.”

Dieser Satz stammt von Adidas Gründer Adi Dassler. Der 2015 eingeweihte Gebäudekomplex könnte auch im Jahre 2030 noch modern wirken. Durch viel Glas und Freiflächen entsteht eine anregende und zugleich futuristische Atmosphäre. An vielen Stellen sind Sitznischen und Sessel eingerichtet, das begünstigt die Kommunikation untereinander und kann auch mal zu einem spontanen Austausch zwischen Mitarbeitern führen, die sich in einer so grossen Zentrale sonst nicht über den Weg laufen würden.

World of employer branding.

Den gesamten Campus nennt Adidas “World of Sports”. “Nicht weniger als den besten Arbeitsplatz der Welt” verspricht Christian Dzieia (Senior Director Property Development bei Adidas) im Interview mit saatkorn.com. Zu diesem Zweck wurde auch eine eigene Work-Life-Integration Abteilung gegründet. Der Sport steht bei einem Sportartikelhersteller selbstverständlich im Vordergrund. Deshalb bietet Adidas am Campus vielfältige Möglichkeiten für die Mitarbeiter an. Das stärkt nicht nur die Arbeitgebermarke und die Mitarbeitermotivation, sondern erhöht auch die Fitness und damit die Produktivität, während krankheitsbedingte Fehlzeiten minimiert werden.  

Auch Beschäftigte mit Familie werden am Campus entsprechend bedient: Kindertagesstätten (KiTa-Plätze sind rar in Deutschland) und Feriencamps sind in (oder in der Nähe) der World of Sports untergebracht.

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Apple Park im Bau (Credit: Apple)

Der vielleicht grösste Kreis der Welt.

Noch bekannter als die Adidas Hauptzentrale, dürfte der neue Apple Park sein. Am Infinite Loop 1, Cupertino, CA steht, wie der Name schon vermuten lässt, die riesige kreisrunde Konzernzentrale des Technologie-Giganten. Seit April diesen Jahres ziehen 12.000 Mitarbeiter an die neue Adresse um. An den Baukosten von über fünf Milliarden Dollar, ist klar erkennbar, dass Apple auch in Zukunft auf zentrale Büros setzt. Um eine Perspektive der gewaltigen Ausmasse dieses Bürokomplex zu geben – 9000m² umfasst alleine das Fitness-Center.

Die Besessenheit von Perfektion und die Liebe zum Detail, schreibt sich Apple in Form von neuen Produkten ala iphone und Macbook regelmässig auf die Fahne. Das ist auch am Apple Park klar ersichtlich. Beispiele gefällig? Laut einem der Konstruktionsleiter wurden alle Türen schwellenlos gestaltet. Begründung: Um nicht von der Arbeit abgelenkt zu werden, sollten die Beschäftigten ihren Gang beim Betreten der Räume nicht ändern müssen. Für Pizza-Lieferungen wurde eine eigene runde Schachtel entwickelt und patentiert, die dafür sorgen soll, dass die Pizza knusprig und frisch bei den Arbeitenden ankommmt.

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Die Apple Pizza-Box (Credit: Apple)

Hapert es an den wichtigsten Ecken und Enden?

Doch am Ende geht es um die Bedingungen im Arbeitsalltag, direkt am Arbeitsplatz. Hier hapert es nach einigen Berichten gewaltig am Apple Campus. Angeblich haben sich hochrangige Mitarbeiter über die Arbeitsbedingungen in den Grossraumbüros beschwert. Beschäftigte, die vorher eigene Büros nutzen durften, wurden auf weitläufige Räume verteilt. Das ist den Betroffenen offenbar schwer zu vermitteln und stellt das Unternehmen hinsichtlich Employer Branding in kein gutes Licht. In diesem Konflikt ist erkennbar, dass das klassische Büro wohl eben doch nicht ausgedient hat. Einige bevorzugen also weiterhin kleinere Räume fernab von Co-Working Spaces und Grossraumbüros. Wir sind gespannt wohin die Reise bis 2030 geht und wie sich das Büro bis dahin behaupten kann.

Lust auf mehr? 15 weitere spektakuläre Bürogebäude finden Sie, in einer Galerie, unter diesem Link.

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Ein Kommentar

  1. Ich kann es kaum erwarten, es in echt zu sehen! Auf den Bildern wird jedoch nicht darauf hingewiesen – was ist zum Beispiel mit dem Transport von einem Ende dieses Kreises zum anderen? Gehen?

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